Im Rahmen der «NOSUF»-Reihe „Die Zukunft meines Unternehmens“ sprach der bekannte Wirtschaftsprüfer John Ederer im Primestay Hotel (ehemals Domicil), Frauenfeld, zum Thema „Wirtschaftskriminalität im Unternehmen“.

Wie John Ederer, Spezialist für Wirtschaftskriminalität, anlässlich des ersten «NOSUF»-Business Talks im neuen Jahr ausführte, verlieren die Unternehmen weltweit aufgrund von kriminellen Machenschaften von Mitarbeitenden (durch Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung, Bilanzfälschung, Korruption oder Bestechung, Kartellrechtsverstösse, Geldwäscherei und Cyberkriminalität) rund vier Billionen Dollar. Das macht rund fünf Prozent des gesamten Jahresumsatzes aus.  Erstaunlich ist dabei, dass KMUs und Non-Profit-Organisa­tio­nen öfter davon betroffen sind, als Grossunternehmen. Trotzdem gilt Wirtschaftskriminalität noch immer als Tabuthema.

Gefahren werden unterschätzt

Die meisten Firmen sind gemäss Ederer auf einen solchen Fall nicht vorbereitet. Sie unterschätzen die Gefahren und rechnen nicht damit, dass gerade sie davon betroffen werden. Nur rund 58 Prozent ihrer Kader haben eine Anti-Bestechungs- oder Anti-Korruptions-Ausbildung besucht. Basierend auf einem „online survey“ von Prof. Martin Killias, Uni Zürich und HSG, aus dem Jahr 2010 berichten 24 Prozent der Firmen, mindestens einmal durch das Verschulden eines Mitarbeiters Schaden erlitten zu haben (25 Prozent Handelsfirmen, aber nur 7 Prozent Finanzfirmen). Gemäss KPMG betrug die Schadenshöhe jener Fälle in der Schweiz, die 2014 vor einem Schweizer Strafgericht zum Abschluss gelangten und einen Schadensbetrag von mindestens 50‘000 Franken aufwiesen, 830 Mio. Franken. Da viele auf eine Strafverfolgung verzichten, ist die Dunkelziffer hoch.

 

Wie kommt es dazu?

Hauptursachen für kriminelle Handlungen namentlich von Kaderleuten in Unternehmen seien zu grosses Vertrauen und die Versuchung.  Dazu komme, dass kaum jemand das Risiko wahrnehmen wolle, und wenn, fühle sich auf VR-Stufe niemand zuständig. Zu oft würden „Red Flags“, Warnsignale, ignoriert. Dazu zählt Ederer unter anderem: jemand macht keine Ferien oder sehr viele Überstunden, eine Schwäche für Alkohol, Wettspiele oder Drogen (Suchtproblematik), luxuriöser Lebensstil, Rechnungen von unbekannten Lieferanten, aussergewöhnliche Buchungen oder Korrekturen, plötzliche Veränderungen des Cashflows usw. Trotz nachweisbarer Schwächen halten gemäss Ederer rund 80 Prozent der Firmen ihre Prävention für ausreichend.

 

Lösungsansätze

Die Grundvoraussetzung für eine Lösung bestehe darin, dass das Problem überhaupt erkannt wird. Die Risiken seien in jeder Firma anders gelagert. Wichtig sei, dass der VR direkt verantwortlich ist und regelmässig involviert wird. In die Prävention, so Ederer muss laufend investiert werden. Schulung sei die beste Vorsorge. Das Erstellen eines Präventions- und Testprogramms sei dringend erforderlich. Dabei müsse jedoch massvoll vorgegangen werden. Letzteres sei regelmässig durchzuführen. Wichtig erachtet er ferner, dass man alle Lieferanten der Firma kennt. Sie sind regelmässig zu überprüfen. Neue Mitarbeiter sind sorgfältig auszuwählen.

 

Wie sieht die Zukunft aus?

Wirtschaftskriminalität wird nach Ansicht von Ederer für alle Firmen weiterhin ein Thema bleiben. Besonders gefährdet seien Wohltätigkeits- und Non-Profit-Organisa­tio­nen. KMUs seien davor nicht gefeit, im Gegenteil: hier sei es einfacher, „Geld zu holen“, als in grossen Firmen. Die Konsequenzen könnten hier aber weit gravierender ausfallen, da es die Grösseren besser verkraften könnten. Gefahren sieht Ederer für KMUs vor allem bei Banktransaktionen, beim Salärwesen  und bei den Lieferanten.

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