Die Zahl der Einbürgerungen ist in der Schweiz gestiegen: Laut Professor Etienne Piguet wurden letztes Jahr 38’000 Personen eingebürgert, 2014 waren es 33’000 gewesen. Eine Ursache für den Anstieg um 15 Prozent sieht der Neuenburger Professor in der Politik der SVP.

Die Unsicherheit, welche die Masseneinwanderungsinitiative und die Durchsetzungsinitiative geschaffen hätten, bewege Ausländer und Ausländerinnen dazu, sich einbürgern zu lassen, sagte der Migrationsexperte am Dienstag dem Westschweizer Radio RTS. Zuvor sei der Trend rückläufig gewesen.

Beim Anstieg handle es sich um eine Reaktion auf die Abschottung, welche die Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative darstelle, sagte Piguet. „Ein Teil der Ausländer dürfte sich verunsichert fühlen und Angst haben, die Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit.“

Wer sich einbürgern lasse, vermeide dieses Risiko. Der Anstieg bei den Einbürgerungen sei daher ein aus Sicht der SVP unerwünschter Nebeneffekt ihrer eigenen Politik. Die Partei setzt sich eigentlich für eine strikte Einbürgerungspolitik ein.

Die Geschichte wiederhole sich, sagte Piguet: Bereits Ende der 1960er Jahre sei die Zahl der Einbürgerungen gestiegen, weil die Menschen Angst gehabt hatten, die Schweiz verlassen zu müssen. 1970 hatte das Schweizer Stimmvolk die „Schwarzenbach-Initiative“, die den Anteil der ausländischen Bevölkerung auf 10 Prozent beschränken wollte, relativ knapp abgelehnt.

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