Im Rahmen der Nosuf-Reihe „Die Zukunft meines Unternehmens“ sprach der Unternehmens- und Franchiseberater, Hans Jürg Domenig, im Hotel Blumenstein, Frauenfeld, zum Thema „Firmenverkauf wird zum Millionentreffer“.

Nach Hans Jürg Domenig lassen sich die mannigfaltigen Probleme von Unternehmen auf sieben Problemfelder reduzieren. In seinem Referat im Rahmen der Nosuf-Mittagslunches zum Thema Firmenverkauf präsentierte er sieben Tipps, wie Unternehmen für den Verkauf fit gemacht werden können. Der Erlös aus dem Firmenverkauf dient in der Regel als Teil der Pension, darum müsse daraus ein guter, fairer und realistischer Preis erzielt werden.

Wie kann der Wert einer Firma gesteigert werden

Der Ausstieg aus der Firma könne bereits fünf bis zehn Jahre im Voraus vorbereitet werden. Eine der wichtigsten Massnahmen im Hinblick auf den Verkauf, sei die Wertsteigerung einer Firma. Dazu diene der Kapitalstock. Dabei handle es sich um etwas, das Kapital abwerfe. Weitere Werttreiber seien Festverträge anstatt Einzelaufträge (Abos). Wichtig sei es ferner, den Auftragsbestand auszuweisen, nicht stehen zu bleiben und die neuen Trends mitzumachen (beispielsweise digitalisieren). Zur Wertsteigerung trage auch eine Finanzoptimierung bei. Dabei sei Fremdkapital ein Hebel für die Steigerung der Ertragskraft. Das meiste Gewicht bei der Beurteilung werde auf das (die) letzte(n) Jahr(e) gelegt. Darum müsse die Devise in den letzten Jahren lauten: sparen, sparen und nochmals sparen.

Wertvernichter vermeiden

So lautet sein zweiter Tipp. Immobilien- und Unternehmensgesellschaften sollten rechtzeitig sauber getrennt werden. Seilschaften sollten aufgelöst oder auf die Basis eines Vertrags gestellt werden. Privatfahrzeuge und nicht betriebsnotwendige Teile müssen ausgekauft oder ausgeräumt werden. Sinkender Umsatz sei einer der grössten Wertkiller. Hier gelte es, einen Kick nach oben zu geben. Wertvernichter sind nach  Domenig auch Anlaufkosten für neue Entwicklungen. Steueroptimierungen seien schrittweise zurückzufahren.

 

Die Braut schmücken

Das zu verkaufende Unternehmen müsse so attraktiv wie möglich ausgestaltet werden. Mit Vorteil fokussiere man sich auf nur einen Geschäftsbereich, achte auf einen breiten Kundenstamm und einen hohen, wiederkehrenden Umsatz. Wichtig seien auch Marken, Patente sowie ein stringentes CI. Klare Vertragsverhältnisse und Zahlentransparenz betrachtet Domenig als wichtige Voraussetzung. Geteilte Verantwortung sei vorteilhafter als das Patron-System.

Nachfolger finden

Hier gibt es, wie Domenig ausführte, drei Ansätze. Der erste und schönste sei, die Firma an ein Familienmitglied zu verkaufen. Problematischer bereits sei der Verkauf an einen Mitarbeiter. Die Gefahr, dass der Auserkorene im letzten Moment noch abspringt, sei relativ hoch. Dem könne man eventuell mit einer Reservierungszahlung vorbeugen. Die dritte Möglichkeit bestehe darin, einen Externen zu suchen (MBI). Hier stelle sich die Frage der Diskretion. Sinnvoll ist in diesem Fall, einen externen Vermittler oder eine spezialisierte Vermittlerfirma einzusetzen. Diese garantieren die nötige Anonymität. Die letzte Möglichkeit ist die Liquidation, für Domenig aber keine Variante, denn für jede Firma könne ein Käufer gefunden werden.

Den Nachfolger unterstützen

Wer mit Herzblut seine Firma aufgebaut hat, ist an einer Weiterexistenz interessiert und daher auch bereit, den Nachfolger in der Anfangsphase zu unterstützen. Verkäuferdarlehen ist ein Thema. Wenn der Verkäufer kein Darlehen gewährt, ist auch kaum eine Bank gewillt, ein solches zu entrichten. Das Einarbeiten hat nur schon aus steuertechnischen Gründen nach klaren Regeln zu erfolgen (versteckte Lohnzahlung). Ein Nachfolger kann auch unterstützt, indem beispielsweise das Aktivieren des Kundenstamms mit einer Aktion verbunden wird. Dem Verlust an Wissen durch den Abgang des ehemaligen Patrons kann vorgebeugt werden, indem dieser ein Firmentagebuch führt.

Steueroptimierung

Ein wichtiges Thema beim Firmenverkauf ist die Steueroptimierung. Bei der Umwandlung einer Einzelfirma in eine GmbH oder AG ist eine Sperrfrist von fünf Jahren zu beachten. Mit einer Beteiligungsfirma mit Geschäftsführung kann man die fünf Jahre eventuell überbrücken.

Rechtzeitig an Ausstieg denken

Der Rücktritt aus der eigenen Firma sollte nach Ansicht von Domenig mindestens zehn Jahre vorher geplant werden. 95 Prozent aller Firmen, die verkauft werden, existieren noch.

Alois Schwager

No Comments