Eine ungewöhnliche Therapie rettet das Leben eines kleinen Mädchens – und stellt das ihrer Mutter völlig auf den Kopf. Ein Bericht aus dem Caritas Baby Hospital in Bethlehem.

 

Luzern/Palästina, im März 2016 – Mona ist eine aussergewöhnliche, junge Palästinenserin. Sie hat ihr Studium mit Bestnoten abgeschlossen, spricht sehr gut Englisch, ist aufgeschlossen und quirlig, hat eine enorm positive Ausstrahlung. Dabei herrscht in ihrem Leben alles andere als Sonnenschein. Ihr Mann sitzt seit über einem Jahr in einem Gefängnis in Israel ohne Angabe von Gründen, ohne Anklage, ohne Anwalt: «Administrativ- Haft» heisst das. Die ganze Familienlast liegt nun auf Monas Schultern, was seit der Geburt ihrer Tochter doppelt schwer wiegt.

 

Dr. Reinhard Keimer berät Mona und ihre Tochter Nour«Hier werden sie mir helfen – wenn es Hilfe gibt»
Als Mona nach zwei Jungen mit einem Mädchen schwanger war, kannte ihre Freude keine Grenzen. Sie strotze vor Energie, schrieb sich wieder in der Universität ein, wollte nach der Entbindung ein Doktorat beginnen. Doch alles kam ganz anders. Nour war erst wenige Tage alt, da begann das Mädchen mit den samtweichen Haaren am ganzen Körper zu zucken, sie verschluckte sich beim Trinken, lief blau an. «Wir fuhren in ein Krankenhaus, aber dort wusste man nicht weiter. Erst im Caritas Baby Hospital spürte ich, dass sie mir helfen werden – wenn es eine Hilfe für meinen kleinen Schatz gibt.» Das erste Lebensjahr von Nour verbrachten Mutter und Tochter zum grossen Teil im Kinderspital in Bethlehem.
17 Mal musste das Baby stationär aufgenommen werden, meistens mehrere Wochen lang. Alle erdenklichen Medikamente gegen die schweren Krämpfe zeigten bei Nour keine Wirkung. In dieser Zeit übernachtete Mona in der Mütterabteilung des Caritas Baby Hospitals, um ganz nah bei ihrer Tochter zu sein. Die beiden Söhne waren derweil bei der Grossmutter gut untergebracht. In dieser Ausnahmesituation war es für die junge Mutter
wichtig, rund um die Uhr im Spital sein zu können. Mona sass stundenlang am Bettchen ihrer Tochter, die Krankenschwestern mussten sie regelrecht zwingen, sich auch ein paar Stunden hinzulegen. «Es gab mir Ruhe. Sie haben sich nicht nur um mein Kind gekümmert, sondern auch um mich.» Dafür ist sie bis heute dankbar.

 

Ein trauriger Geburtstag
Dr. Nader Handal, Mona mit Nour und Dr. Reinhard KeimerNours erster Geburtstag war ein trauriger Tag, dem Mädchen ging es sehr schlecht. Sie hatte eine schwere Infektion und ständig epileptische Anfälle. Da traf Mona eine Entscheidung. Eine allerletzte Therapieform wollte sie noch für ihr Kind ausprobieren. Im Caritas Baby Hospital arbeitete für einige Monate der pensionierte Kinderneurologe Dr. Reinhard Keimer. Als Leiter der Kinderneurologie im Olgahospital in Stuttgart hatte er mit der so genannten ketogenen Diät gute Erfahrungen bei Kindern mit Epilepsie gemacht – warum also nicht auch in Bethlehem. Bei dieser Therapie wird die Ernährung komplett auf 90 Prozent Fette und nur etwa zehn Prozent Eiweiss und Kohlenhydrate umgestellt. Die dabei entstehenden Stoffwechselprodukte wirken antiepileptisch. Es ist eine wissenschaftlich erprobte, alternative Behandlungsmethode bei Formen von Epilepsie, wo selbst moderne Medikamente nicht wirken. «Niemand konnte mir versichern, dass die Diät bei Nour funktioniert. Es war wie ein letzter Strohhalm – und an den klammerte ich mich.» Seither ist Nour anfallsfrei und inzwischen zweieinhalb Jahre alt.

 

Zerknitterte Diplome
Mona und ihre Tochter kommen noch regelmässig zur Kontrolle ins Caritas Baby Hospital. «Seit sie keine Krämpfe mehr hat, ist mein Leben viel einfacher – was nicht heisst, es sei jetzt wirklich leicht. Nour kann nicht sprechen, sich nicht bewegen und nichts sehen. Und meine zwei Söhne brauchen ihre Mutter ja auch…» An die Träume einer Universitäts-
Karriere erinnern nur noch ein paar zerknitterte Diplome. Monas neue Mission heisst Nour. «Es gibt so viele Eltern in Palästina, denen es schwerfällt, ihre behinderten Kinder anzunehmen, so wie sie sind. Ihnen will ich ein Beispiel sein, das lehrt mich Nour jeden Tag.»
Finanziert und betrieben wird das Caritas Baby Hospital im Westjordanland von der Kinderhilfe Bethlehem in Luzern. Das Behandlungskonzept bindet die Mütter eng in den Heilungsprozess ihrer Kinder mit ein und das Spital verfügt über einen gut ausgebauten Sozialdienst. 2015 wurden fast
40’000 Kinder und Babys stationär oder ambulant betreut. Alle Kinder erhalten Hilfe, unabhängig von Herkunft und Religion. Studierende der Medizin können sich im Caritas Baby Hospital in Pädiatrie spezialisieren. Nur dank Spenden kann das Spital seine Aufgaben erfüllen und Kinderleben retten. Informieren Sie sich über die aktuelle Situation in Bethlehem auf unserer Homepage http://www.kinderhilfe-bethlehem.ch
Kinderhilfe Bethlehem
Spendenkonto PK 60-20004-7
IBAN CH17 0900 0000 6002 0004 7
www.kinderhilfe-bethlehem.ch

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