Eine Bundeshaus-Sekretärin lichtete sich regelmässig nackt in ihrem Büro ab und stellte die Bilder dann auf Twitter. Die Büroräumlichkeiten waren im Hintergrund klar zu erkennen. Aber darf sie das? Arbeitsrechtlich eine heikle und nicht ganz klare Angelegenheit. Der Bund handelt und stellt die Angestellte per sofort frei.

Das Eidgenössische Personalamt (EPA) empfiehlt seinen Angestellten: «Veröffentlichen Sie im Internet nur Bilder und Texte, die Sie auch jederzeit Ihren Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeitenden oder Vorgesetzten zeigen würden.» Eher unwahrscheinlich, dass darunter auch Nacktbilder fallen. Regelmässig twitterte eine Sekretärin dennoch Nacktbilder – und das direkt aus ihrem Büro im Bundeshaus. Ihr war offenbar bewusst, dass die Bilder auch jemand aus ihrem Arbeitsalltag sehen könnte: «Das Thema beschäftigt mich ständig», sagte sie gegenüber «NZZ».

Die Aufnahmen seien Teile ihres Privatlebens, begründete die Angestellte. Sie sehe keinen Interessenskonflikt mit ihrer beruflichen Funktion. Doch wie privat können die Aufnahmen sein, wenn im Hintergrund deutlich die Büroräumlichkeiten im Bundeshaus erkennbar sind? Das EPA verweist auf den Verhaltenskodex der Bundesverwaltung: Angestellte sollen demnach auch im Privatleben darauf achten, den guten Ruf und das Ansehen des Bundes nicht zu beeinträchtigen. Ob dies zutrifft, soll eine bereits eingeleitete Untersuchung ergeben.

Laut einer Medienmitteilung vom Bund wird die Frau per sofort freigestellt. «Im Interesse des guten Rufs des Parlamentes und seiner Dienste ist die betroffene Mitarbeiterin mit sofortiger Wirkung freigestellt worden. Die Freistellung gilt, bis die Faktenlage geklärt und über die personalrechtlichen Folgen entschieden ist», begründet der Bund.

Fristlose Kündigung kaum vorstellbar

Ausschlaggebend ist laut Thomas Geiser, Spezialist für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, die Funktion der Person, die sich nackt fotografiert und im Internet präsentiert. Im Falle der Sekretärin sehe er keinen Grund für eine fristlose Entlassung – höchstens für einen Verweis. «Es sei denn, der Arbeitgeber stuft die Tätigkeit als Sicherheitsrisiko ein», erklärt Geiser. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn die Angestellte durch die Bilder erpressbar wäre.

Ausserdem könne Angestellten des Bundes auch unter Einhaltung der Kündigungsfrist nur gekündigt werden, wenn ein sachlich hinreichender Grund vorliege, erklärt der Spezialist. Ob das Twittern von Nacktbilder einen solchen sachlich hinreichenden Grund darstellt, scheint Geiser in Zweifel zu ziehen.

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