SCHWEIZ THURGAUER KANTONALBANKMillionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Einige führt der Weg auch in die Schweiz. Sind wir bereit für die neue Völkerwanderung? Dieser Frage ging das 19. Kommunalforum der Thurgauer Kantonalbank (TKB) nach. Der Informationsanlass für Behördenvertreter bot spannende Ein- und Ausblicke zum Thema.

Seit bald 20 Jahren bietet das Kommunalforum der Thurgauer Kantonalbank (TKB) einmal im Jahr eine Dialogplattform zu einem aktuellen Thema. 130 Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinde- und Schulbehörden folgten am Montagabend der Einladung der TKB ins Casino Frauenfeld. Neue Völkerwanderung – sind wir bereit?, so das Thema. „Die Welt ist in Bewegung, die Menschen sind es auch“, sagte Remo Lobsiger, Leiter des Geschäftsbereichs Geschäftskunden der TKB. Nicht erst die jüngste Flüchtlingskrise habe die Wichtigkeit solidarischen Handelns aufgezeigt. Die Schweiz habe seit jeher eine Tradition der Solidarität. Doch gerade in jüngster Zeit seien viele Fragen aufgetaucht, die auch von einer Verunsicherung in der Bevölkerung zeugten.

 

Arbeit als Schlüssel zur Integration

Antworten auf Fragen im Umgang mit der Herausforderung von Menschen skizzierte Markus Mader, Direktor des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Seit bald 10 Jahren im Amt, weiss er um die Wichtigkeit guter Antworten. Nationale Rotkreuzgesellschaften hätten alleine im vergangenen Jahr 650’000 Menschen auf der Flucht zwischen dem Nahen Osten und Nordeuropa unterstützt, sei es in einem der zahlreichen Flüchtlingslager oder auf der Balkanroute. Am Beispiel syrischer Flüchtlinge zeigte er auf, dass die meisten Vertriebenen Zuflucht im eigenen Land oder in den Nachbarländern suchten. „Sie wollen wieder zurück in ihre Heimat“, so Mader. Vertriebene, die in die Schweiz gelangen, unterstützt das SRK auch bei der sozialen und beruflichen Integration. „Sprache und Arbeit sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration“, sagte Mader.

 

Gemeinsame Lösungen sind gefragt

„Integration führt über den Arbeitsmarkt“, sagt auch Patrik Schellenbauer. Der Chefökonom des Think Tank Avenir Suisse sieht hierfür gute Voraussetzungen – und auch eine Notwendigkeit. So schrumpfe das inländische Arbeitsmarktpotenzial stetig. „2016 werden erstmals mehr Arbeitskräfte ausscheiden als nachrücken“, so Schellenbauer. Eine erfolgreiche Integration bedinge aber einen flexiblen Arbeitsmarkt, der auch für Flüchtlinge offen sein müsse. Pilotprojekte wie die Flüchtlingslehre des Bundes seien ein Schritt in die richtige Richtung. Ganz wichtig sei bei solchen Projekten, dass sie sich auch für Arbeitgeber lohnten, sich die Anstellung von Flüchtlingen produktiv auszahle.

 

Podiumsdiskussion und humorvolle Schlussnote

Gefordert sind auch die Schulen. Das zeigte sich in der Podiumsdiskussion, durch die Moderator Jean-Claude Kleiner führte. Andreas Wirth, Präsident der Schulen Frauenfeld und Kantonsrat zeigte die Herausforderungen und Lösungen im Bildungswesen auf. Die Sprache sei eine der grössten Hürden. In Frauenfeld versuche man dies beispielsweise mittels Sprachspielgruppen zu lösen. Klar sei auch: „Wir müssen alle zusammenarbeiten.“ Gemeinsame Lösungen von Bund, Kantonen und Gemeinden wünschte sich die Thurgauer Regierungsrätin Cornelia Komposch. „Nur so erreichen wir, dass sich die Bevölkerung sicher fühlen kann und die Solidarität bestehen bleibt.“ Sie wünsche sich, dass den Flüchtlingen weiterhin Respekt und Wertschätzung entgegengebracht werde.

Eine satirische Schlussnote gab der Veranstaltung der Komödiant und Musiker Johnny Burn. Der gebürtige Kambodschaner, aufgewachsen in Malters, zeigte Auszüge aus seinem Programm „Wok the Line“. Anschliessend waren die Gäste zu einem Austausch beim Apéro geladen.

____________

Bildlegende: Referenten und Gastgeber (von links): Markus Mader (Direktor Schweizerisches Rotes Kreuz),

Jean-Claude Kleiner (Moderator), Cornelia Komposch (Thurgauer Regierungsrätin), Remo

Lobsiger (Geschäftsleitungsmitglied TKB), Patrik Schellenbauer (Chefökonom Avenir Suisse),

Andreas Wirth (Präsident Schulen Frauenfeld und Kantonsrat).

 

Bildlegende: Die 130 Besucher des TKB Kommunalforums erlebten eine spannende Podiumsdiskussion.

No Comments