Angesichts der heutigen Vielfalt ist es kaum zu glauben, dass die Winzer noch vor knapp 25 Jahren nur drei Sorten anbauen 
durften: Blauburgunder, Grauburgunder und Müller-Thurgau.

z. B. Othmar Lampert Othmar Lampert, Weinbau und Kellerei in Steckborn (TG), erinnert sich gut an die Zeit nach 1992. «Als Erstes haben wir die Fläche für den vorher schon erlaubten und erfolgreichen Pinot gris ausgebaut. 1994 pflanzten wir Regent an, nach wie vor einer unserer beliebtesten Rotweine. Später kamen Zweigelt-Reben hinzu. Unsere jüngste Kreation, die Cuvée Cabernet, basiert auf den deutschen Neuzüchtungen Cabernet Cantor und Cabernet Cortis. Sie sind pilzwiderstandsfähig und mussten noch nie gespritzt werden. Als Nächstes planen wir den Anbau der PW-Sorte Prior, die einen ähnlichen Wein ergibt wie eine kräftige Blauburgunder Spätlese.»

z. B. Othmar Lampert
Othmar Lampert, Weinbau und Kellerei in Steckborn (TG), erinnert sich gut an die Zeit nach 1992. «Als Erstes haben wir die Fläche für den vorher schon erlaubten und erfolgreichen Pinot gris ausgebaut. 1994 pflanzten wir Regent an, nach wie vor einer unserer beliebtesten Rotweine. Später kamen Zweigelt-Reben hinzu. Unsere jüngste Kreation, die Cuvée Cabernet, basiert auf den deutschen Neuzüchtungen Cabernet Cantor und Cabernet Cortis. Sie sind pilzwiderstandsfähig und mussten noch nie gespritzt werden. Als Nächstes planen wir den Anbau der PW-Sorte Prior, die einen ähnlichen Wein ergibt wie eine kräftige Blauburgunder Spätlese.»

Bis 1992 galt die vom Bund vorgeschriebene Sortenregelung. Im Rebbaubeschluss von 1991 wurde erstmals eine Mengenbegrenzung festgehalten. Bis dahin konnten die Winzer pro Quadratmeter zwei und mehr Kilo Traubengut ernten. 1992 wurde auch der Grenzschutz aufgehoben, und die Sortenbeschränkung fiel ebenso weg wie die bisherige Unterstützung der Weinwirtschaft durch den Bund.
Von Acolon bis Zweigelt
Im Zuge dieser Liberalisierung hin zur freien Marktwirtschaft galt es, sich rasch den Wünschen der Konsumenten anzupassen. Es war die grosse Zeit der kräftigen Weine wie Cabernet Sauvignon bei den Roten und (vorwiegend) überseeischer Chardonnay bei den Weissen. Entsprechend pflanzte man andere rote Sorten wie die deutsche Züchtung Regent, Cabernets, die schweizerische Kreuzung Garanoir (Gamay x Reichensteiner) und in kleineren Mengen Malbec und Shiraz, etwas später auch Zweigelt und interspezifische Sorten wie Maréchal Foch und Léon Millot an. Bei den Weissen setzten sich rasch einmal Chardonnay und Sauvignon blanc, vorübergehend auch Seyval blanc und ab 2000 die deutsche Züchtung Solaris durch.
2016 werden in den Kantonen Thurgau und Schaffhausen sowie im Zürcher Weinland gut 50 Rebsorten gepflegt, darunter solche, die von Selbstkelterern und -vermarktern in Kleinstmengen bewirtschaftet werden. Erfolgreich sind u.a. verschiedene Cabernetsorten, Gamaret, St. Laurent und Merlot bei den roten Trauben. Bei den weissen Sorten haben sich vorab Gewürztraminer, Grüner Veltliner, Johanniter, Kerner, Kernling, Rheinriesling und Weissriesling einen festen Platz gesichert. Pinot noir und Müller-Thurgau (Riesling x Sylvaner) bleiben aber nach wie vor mit Abstand die meistverbreiteten Traubensorten.
Bereicherung durch Cuvées
Noch grösser wurde die Ostschweizer Weinauswahl mit dem Aufkommen der Cuvées. Noch vor 2000 hatten die Weinbaubetriebe in der Ostschweiz ihre Tropfen meist sortenrein gekeltert. Mit den neu angebauten Sorten, als Antwort auf die geschmacksintensiven ausländischen Konkurrenzweine, aber auch zur Differenzierung des Angebots, wurden nun vermehrt Assemblagen kreiert. Cuvées liegen weiter im Trend. Sie tragen die Handschrift des Kelterers und erlauben es den Weingütern, sich an den herrschenden Markttrends zu orientieren.
Grosser Qualitätssprung
Die Liberalisierung von 1992 hat letztlich zu einer ungeahnten Qualitätssteigerung geführt. Andere Faktoren waren die Klimaerwärmung, die professionelle Ausbildung in Rebberg und Keller, der Zugang zu fachspezifischer Information via Internet, die flächendeckende Wetterinformation, die positive Konkurrenz ambitionierter junger Winzer und die verbesserte Zusammenarbeit von Produktion und Handel.n

No Comments