Heisse Tage, laue Abende: Zeit für einen leichten Sommerwein, 
erfrischend und gehaltvoll – Zeit für einen Rosé. Was ist eigentlich Rosé und wie unterscheidet er sich vom Federweissen?

 Die Kontaktzeit mit der Maische bestimmt den Farbton.

Die Kontaktzeit mit der Maische bestimmt den Farbton.

Roséwein kennt man fast überall wo rote Trauben wachsen, ist er doch häufig ein Nebenprodukt der Rotweinbereitung. Dabei wird der Rotwein konzentriert, indem rötlicher Most aus dem Tank ausgelassen wird (frz. saignée = ausgeblutet). Rosé kann von lachsrot über himbeerrot bis kirschrot sein. Die Farbe ergibt sich aus der Maischekontaktzeit, das heisst, der Kontaktzeit mit der Traubenhaut. Der Farbton hängt auch von der Traubensorte ab. Bekannte Rosés sind beispielsweise der südfranzösische Tavel und der Neuenburger Oeil-de-Perdrix, der zwingend aus Blauburgundertrauben sein muss. Die Farbe dieser Schweizer Spezialität gleicht gemäss Jägerjargon der des Auges eines sterben-
den Rebhuhns (frz. perdrix = Rebhuhn).
Schiller – Schweizer Spielart
Eine besondere Schweizer Form des Roséweins ist der Schiller – u.a. heute noch in der Ostschweiz zu finden, der aus Trauben von weissen und roten Sorten stammt, die zwingend im gleichen Rebberg im gemischten Satz stehen und zusammen geerntet und gekeltert werden müssen. Dies ist in Europa die einzige Ausnahme, bei der verschiedenfarbige Trauben gemischt werden dürfen. Der gemischte Satz war früher sehr verbreitet. Schiller muss es also schon sehr lange geben. Dabei sind regionale Spielarten des Schillers zu beobachten. In Schaffhausen wird häufig Pinot noir mit Müller-Thurgau und in Graubünden Pinot noir mit Pinot gris 
als Schiller vinifiziert, wobei der Anteil der roten Trauben überwiegen sollte.
Beliebter Federweiss
Im Gegensatz zum Rosé gehört der Federweiss – in Deutschland Weissherbst, hierzulande auch Blanc de noir oder Blanc de Pinot (wenn aus Blauburgundertrauben) genannt – zu den Weissweinen. Zwar stammt er auch von blauen Trauben, aber der Hautkontakt wird durch direktes Pressen unterbunden. So präsentiert sich Federweiss mit kaum oder gar keiner rötlichen Färbung. Bekannte Schweizer Federweissweine sind u.a. die Walliser Dôle blanche und der Tessiner Merlot bianco. Mindestens jeder zweite Schaffhauser Winzer hat einen Rosé und/oder Federweissen im Angebot.
Beim Rosé ist das Auge wichtig
Roséweine boomten in der Schweiz von Mitte der 1990er-Jahre bis Anfang der 2000er-Jahre. Heute boomt Rosé international, wird in der Schweiz aber eher stiefmütterlich behandelt. Dies, weil er von vielen zu Unrecht als weder Fisch noch Vogel (als weder weiss noch rot) betrachtet wird und möglicherweise auch, weil er als Nebenprodukt der Rotweinbereitung gilt. Viele berühmte Roséweine werden jedoch gezielt produziert. Federweiss aus einheimischer Produktion ist zurzeit in der Ostschweiz erfolgreicher als Rosé. Beim Rosé ist das Auge sehr wichtig. Die Weine
sind meist körper- und alkoholreich mit einem leichten Gerbstoff, der für gute Kombinationen mit dem Essen sorgt.

 

Rosé und Scampi
W2_FF_013_2506_Box-1spDer Fachmann, der uns mit viel Information für diesen Artikel versorgt hat: «Rosé ist sehr schön zu Grilladen an heissen Tagen. Er wird kühler getrunken (8°), erfrischt mehr und ermüdet weniger als Rotwein. Oft passt er besser zu grilliertem Fleisch oder Fisch als Weisswein, weil er mehr Körper hat und mit der Farbe bereits etwas Gerbstoff in die Kombination Essen und Wein bringt. Eine ideale Verbindung geht Rosé mit grillierten Scampi ein. In der Produktion der Rutishauser Weinkellerei machen Rosé und Federweiss etwa zwei Prozent aus, bei den Thurgauer Weinen dürfte es ein Prozent sein. Besonders empfehlenswert: unser Ottenberger Federweiss.»
Michael Balmer, Leiter Betrieb/Oenologe 
Rutishauser Weinkellerei, Scherzingen

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