Im Alter Italienisch, Französisch oder Englisch büffeln? Klingt 
verrückt? Tut aber gut. Studien deuten darauf hin, dass Sprachen erlernen gerade auch in der zweiten Lebenshälfte Sinn macht. 

Viele Senioren entscheiden sich im Alter eine Fremdsprache zu erlernen. Was treibt sie an? Die Motive sind sich ähnlich. Ihr Ziel ist es, einer sinnvollen Aufgabe nachzugehen, eine neue Herausforderung anzunehmen, sich im Reiseland besser zurecht zu finden oder das Lernen und der Austausch mit Menschen gleicher Interessen. Wer einen konkreten Anlass hat, ist hochmotiviert und prägt sich eine fremde Sprache leichter und schneller ein. Ein Hobby ohne Zwang. Kein Müssen, sondern ein Dürfen.
W2_FF_014_2104_Sprachen_2spDas Sprachen lernen trainiert ausserdem unser Gehirn und hilft im Alter gegen Demenzerkrankungen. «Es ist wie Öl für den Gehirnmotor», sagt die Psychologin Ellen Bialystok. Die Symptome von Alzheimer treten bei Personen, die mehrsprachig sind vier bis fünf Jahre später auf. Das regelmässige Sprechen in einer zweiten Sprache fördert die Gehirnaktivitäten. «Das Lernen einer Sprache ist neben dem Musizieren die komplexeste Hirnaktivität überhaupt», so Björn Schott vom Leibniz-Institut in Magdeburg. Warum ist das so? «Das Erlernen einer neuen Sprache fordert all unsere Sinne. Wir müssen gleichzeitig denken, richtige Laute formulieren und uns in unser Gegenüber hineinversetzen.»
Besser als eine Festplatte
«Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr» stimmt also nicht! Ältere Menschen können vom Jonglieren bis zu einer neuen Sprache alles erlernen. Das Lernen beruht darauf, dass sich Verbindungen zwischen Nervenzellen ändern. Je häufiger sie genutzt werden, desto stärker verändert sich deren Leistungsfähigkeit. Das zeigt eine Studie von Arne May, Neurowissenschaftler am Universitätsklinikum Hamburg. Er liess 24 Frauen und 20 Männer im Alter zwischen 50 und 67 Jahren drei Monate lang das Jonglieren üben. Das Experiment zeigte, dass Senioren im Vergleich zu jungen Menschen ähnlich gut abschnitten. Sie brauchten nur etwas länger dazu.
W2_FF_014_2104_Sprachen-R1_2spAm Ende der Studie verglich May die Gehirne der Jongleure mit einer Kontrollgruppe gleichen Alters, die nicht geübt hatten: Der Hippocampus, der zentrale Bereich für das Lernen, war durch die Beanspruchung der Gehirnzellen gewachsen. May resümiert: «Wir haben die älteren Menschen unterschätzt», und der Schweizer Psychologe Philippe Rast bekräftigt: «Das düstere Bild des geistigen Abbaus ist definitiv falsch.» Zu diesem Schluss kommt auch die Seattle Langzeitstudie. Sie wird seit 60 Jahren alle sieben Jahre erhoben und ist damit die längste Erhebung zum mentalen Alterungsprozess: Die über 50-Jährigen stechen die 25- bis 35-Jährigen in Sprachkompetenz und Wortgedächtnis aus. Sie können sich räumlich besser orientieren, besser komplexe Sachverhalte analysieren und Schlüsse daraus ableiten.
Geistig fit bis ins hohe Alter
In einem Punkt sind sich die Forscher einig – das gilt für das Gehirn wie für jeden anderen Körperteil – auf der Couch sitzen und den Geist nicht mehr bemühen, schadet der mentalen Verfassung. Es ist demnach nie zu spät, mit dem Lernen zu beginnen. Unser Gehirn will und kann gefordert werden, egal wie alt wir sind.
Tipps zum Sprachen lernen:
Üben, üben, üben, aber setzen Sie sich nicht unter Druck, nehmen Sie sich Zeit.
Nutzen Sie jede Gelegenheit, um die fremde Sprache zu praktizieren.
Statt einzelne Worte büffeln, lernen Sie in ganzen Sätzen. Das fördert das Gesamtverständnis und klärt den Einsatz der Worte im Kontext.
Führen Sie ein Tagebuch in einer Fremdsprache.
Besser in kleinen Lerneinheiten 3×10 Minuten zu verschiedenen Zeitpunkten, als alles auf einmal lernen.
Wer beim Lernen zwei Sinne (sehen, hören, diskutieren, selber tun) miteinander koppelt, profitiert von einer besseren Merkfähigkeit des Gehirns. Also schreiben und gleichzeitig laut aussprechen, oder Worte in die Luft schreiben, Wörter und Sätze pantomimisch darstellen usw.
Lesen Sie laut in einer Fremdsprache; Bücher, Zeitungen, Magazine, zu Themen, die Sie besonders interessieren. Sie werden mehr verstehen als Sie erahnen.
Sehen Sie sich Filme in der Originalsprache an. So erweitern Sie den Wortschatz und schulen gleichzeitig das Ohr betreffend Aussprache.
Besuchen Sie einen Sprachkurs mit Gleichgesinnten im gleichen Alter. Die soziale Komponente fördert die Motivation und den Erfolg.

Bleiben Sie interessiert 
und neugierig
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Informationsveranstaltung: E-Bike
Pro Senectute Thurgau und TCS informieren rund um das E-Bike fahren, mit Testmöglichkeit und Parcours am Donnerstag, 21. April, von 9.00 bis 11.30 Uhr, am Verkehrssicherheitszentrum Thurgau AG, Dufourstr. 76, in Weinfelden.
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Wo: Verkehrssicherheitszentrum Thurgau AG
 (VSZ TG), Dufourstr. 76 in Weinfelden
Kurs 1: Mittwoch, 27. April, 8.00-12.00 Uhr 
Kurs 2: Mittwoch, 25. Mai, 8.00-12.00 Uhr
Anmeldung und Auskunft:
Pro Senectute Thurgau, Weinfelden, Tel. 071 626 10 83 oder www.tg.pro-senectute.ch

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