Mit Süssigkeiten gefüllte Blechostereier sind für 
viele von uns noch eine Erinnerung aus Kinder-
tagen. Eng mit ihnen verbunden ist die Geschichte der Firma Sigerist AG aus dem bernischen Liebefeld.

W1_SH_012_2403_Klassisch_2spOsterhasen sind in. Als Überbringer von Ostereiern haben sie in unseren Breitengraden während den letzten 100 Jahren ihre Mitbewerber wie beispielsweise den Kuckuck oder auch den Dachs mehr oder weniger konsequent ausgestochen. Zu Abertausenden, in mannigfaltige Schokoladenformen gegossen, zieren sie, oft schon lange vor Ostern, die Schaufenster von Konfiserien oder den Weg zur Kasse in grossen Detailhandelsunternehmen. Was manch einem fremd erscheinen mag, hat Meister Lampe natürlich geholfen noch populärer zu werden. Auch beim Produkt, das uns von ihm jedes Jahr aufs Neue präsentiert wird, wurde schon früh erkannt, dass es kommerzielles Potenzial hat. Ein Aspekt davon, wie dieses hierzulande schon damals erfolgreich ausgeschöpft wurde, sind die mit «Zuckereili» gefüllten Blecheier, die viele von uns aus unseren Kindheitstagen noch kennen und über die wir uns in unseren Osternestern damals so freuten. Oft war der Inhalt schnell verzehrt und mit der «Verpackung» wurde dann noch etwas gespielt, bevor auch sie endgültig verloren ging. Besagte Blecheier waren aber nicht nur kulinarischer Bestandteil früherer Osterfeste, sondern sind auch Teil einer Erfolgsgeschichte eines schweizerischen Unternehmens aus vergangenen Tagen und werden noch noch heute, gerade wegen ihrer Vielfalt an schönen Motiven, gesammelt.
Erfolgsgeschichte
W1_SH_012_2403_Handgemalt_2spDekorative Blechostereier wurden in England und Deutschland bereits am Ende des 19. Jahrhunderts produziert. Sogar Zar Alexander III. soll, nebst seinen Fabergé-Eiern, einige von ihnen besessen haben. Richtig populär wurden sie bei uns in der Schweiz, als man sie ab 1923 bei der Blechdosenfabrik Sigerist AG aus dem bernischen Liebefeld erstmals in grosser Stückzahl auflegte. Zunächst noch aus schwer biegsamem Blech produziert, hatten ihre Schalen scharfe Ränder und waren, produktionsbedingt «rumpflig». Ab den 50er-Jahren wurden diese dann, durch ständiges technisches Tüfteln an der Produktionsmaschine bei Sigerist gerollt. Manch eine Kinderhand dürfte dafür dankbar gewesen sein. Die Eier bekamen nun ihre endgültige Form, an die wir uns heute noch erinnern. In den 60er-Jahren folgte der Sprung ins Ausland. Sigerist exportierte seine Blecheier in grosser Stückzahl in die USA, nach England, Frankreich und Italien. Das Produkt war damals gefragt. Nicht nur als Osterpräsent. Mit der Zeit überdauerte es sich. Die Welt hatte sich verändert. Blechbehältnisse für Süssigkeiten, auch wenn sie noch so schön und künstlerisch gestaltet waren, gehörten vergangenen Tagen an. Kunststoff war billiger. So führten steigender Kostendruck und sinkende Absatzzahlen in den Jahren vor dem Millenium schliesslich zur Einstellung der Blecheierproduktion bei Sigerist im Jahr 2000.
Unterschiedliche
 Geschmäcker
Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die Motive der Sigerist-Blecheier spezifisch auf Ostern zugeschnitten. Bunte Osterhasen, Osterneste und Ostereier dominierten bei den Motiven. Bis zu sieben Personen entwarfen bei der Firma ab den 50er-Jahren ständig neue Bildmotive. Mit der Expansion ins Ausland wurden dann aber auch andere, länderspezifische Couleurs bedient. Oft hatten die Blecheier nun auch nichts mehr mit Ostern direkt zu tun. So waren beispielsweise in England Märchen- oder Naturdarstellungen beliebt oder die Amerikaner fanden besonderes Gefallen an Tierdarstellungen wie zum Beispiel Kühen, Eichhörnchen, Fröschen oder Eulen. Immer wieder wurden seinerzeit und auch später spezifische Darstellungswünsche von der Kundschaft direkt an die Sigerist AG herangetragen und von dieser auf ihren Blecheiern realisiert. Als exklusive Werbeträger hatten die Eier vorerst noch nicht ausgedient.

Ostern und Eier
Im christlichen Kontext ist das Ei ein Symbol für die Auferstehung und als solches schon lange ein beliebtes Osterpräsent. Seit dem 12. und 13. Jahrhundert hat die Tradition des Ostereierfärbens, aus Armenien und Russland kommend, Eingang nach Westeuropa gefunden. Dass Eier jeweils zu Ostern vom Osterhasen versteckt werden, ist kein alter Brauch. Religiös konotiert ist er ebensowenig. Erstmals dokumentiert wurde er im späten 17. Jahrhundert und diente schon da der Unterhaltung von Kindern.

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