Nach einem wenig wonnigem Mai und feuchter Wärme mit 
heftigen Niederschlägen im Juni zeigt sich der Juli von seiner 
sonnigsten Seite und sorgt für ein rasantes Wachstum der Reben.

W2_FF_005_2307_Exkursion-u_2spEnde Juni zeigten sich die Reben in der Ostschweiz bereits in schönem, sattem Grün. Leicht gelbliche Blattpartien waren verschwunden, und dank idealen Bedingungen gingen die Reben mit viel Schwung in die zweite und entscheidende Vegetationshälfte.
Zwar gab es beträchtliche Unterschiede zwischen einzelnen Lagen und teilweise sogar am gleichen Stock, aber grundsätzlich war der Blühverlauf gut. In späten Lagen und bei späten Sorten, wie beispielsweise dem Merlot, befanden sich die Reben erst Mitte Jahr in Vollblüte. Bei frühen Sorten begannen die Trauben zu diesem Zeitpunkt bereits zu hängen.
Juli als Traubenkocher
Die heissen Juli-Tage mit teilweise weit über 30° Celsius haben dann nicht nur den Reben gut getan und für den Traubenschluss gesorgt, sie haben auch dem Auftreten der Kirschessigfliege vorgebeugt. Anderseits haben sie die Winzer auf Trab gehalten, galt es doch, mit den Reben Schritt zu halten und nach dem Einschlaufen und Heften, dem Ausgeizen, Sichtbarmachen der Gescheine und dem Pflanzenschutz im Juni nun die Trauben von Hand zu entblättern oder die Blätterwand maschinell auszulauben.
Kef-Frühwarnsystem
Die Kirschessigfliege, die im letzten Jahr die Weinbauern mehr beschäftigt hat, als ihnen lieb war, ist glücklicherweise noch kein grosses Thema. Die Fänge bewegten sich an allen 
Standorten auf einem tiefen Niveau. Allerdings weiss man von 2014, dass die asiatische Taufliege namens 
Drosophila suzukii wie aus dem 
Nichts auftauchen und ihr schädliches Unwesen treiben kann. Die 
Fachstelle Weinbau Schaffhausen/
Thurgau hat deshalb mit den Nachbarkantonen und dem Bund ein 
Fünf-Punkte-Programm ausgear-
beitet, das als eigentliches Früh-warnsystem für die Winzer wirken soll:
Kef-Monitoring ab 20. Juli 2015

Wöchentliche Telefonkonferenz der Kantone und der Agroscope (Eidg. Forschungsanstalt für 
Agrarökologie und Landbau) ab Reifebeginn

Überwachung der Eiablage und 
Erlass einer allfälligen gebietsweisen Sonderbewilligung für den Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Mitarbeit in der nationalen Task Force Kef des Bundes

Anlegen von gezielten Praxisversuchen in enger Zusammenarbeit mit Agroscope.

Ausserdem haben die Winzer ein zweiseitiges Merkblatt von Agroscope erhalten, das anhand von aussagekräftigen Fotos mit den spezifischen Merkmalen der weiblichen und männlichen Kirschessigfliege deren Erkennung erleichtert.
Die Bedingungen für einen guten bis sehr guten Jahrgang 2015 sind zurzeit gegeben. Wie schnell sich die Lage jedoch ändern kann, hat 2014 gezeigt. Die Winzer werden sich deshalb hüten, den Tag vor dem Abend zu 
loben, und hoffen auf einen Wetterverlauf bis zur Traubenlese, der sie vor Hagel und Schädlingen aller Art verschont.

Beste Voraussetzungen
W1_SH_005_2307_Box_1spMarlies Keller, die mit Partner Beat Schindler und ihrem Team am Heerenberg, in Dörflingen und Gailingen (D) Rebflächen bewirtschaftet, weiss von viel Arbeit angesichts des enormen Wachstums der Reben zu berichten: «Das Auslauben ist bei uns beendet; jetzt werden wir die Reben oben noch kürzen. Der Traubenschluss hat bereits begonnen, auch weil wir an den meisten Lagen nah am Wasser sind. Wichtig ist jetzt der Pflanzenschutz gegen echten und falschen Mehltau. Neu gepflanzte Jungreben mussten wir oft wässern und von Spinnmilben befreien. Generell präsentieren sich die Trauben gross und schön. Wenn jetzt das Herbstwetter noch mitmacht, können wir uns auf einen Spitzenjahrgang 2015 freuen.»
Marlies Keller, WeinKeller.sh  8200 Schaffhausen

Gute Chancen
W2_FF_005_2307_Box_1spAuch Jakob Meier, mit 3,8 Hektaren Rebfläche einer der grösseren Winzer am Untersee, weiss von viel Arbeit angesichts des enormen Wachstums der Reben zu berichten: «Nach den Erfahrungen von 2014 haben wir das Auslauben dieses Jahr noch verstärkt. Wir haben nämlich festgestellt, dass sich die Kef an gut entblätterten Rebstöcken nicht wohl fühlt. Angesichts des anhaltenden Sonnenscheins ist ein weiteres Auslauben durchaus möglich. Froh sind wir natürlich darüber, dass wir die Hitzeperiode bis jetzt ohne Hagel überstanden haben. Alles in allem sehen wir zurzeit intakte Chancen für einen überdurchschnittlichen Jahrgang 2015.»
Jakob Meier, Rebbau mit Eigenkelterung, Berlingen

Beste Voraussetzungen
W3_WF_005_2307_Box_1spAuch Hans Bosch, der am Ottoberg knapp zwei Hektaren Rebfläche bewirtschaftet, weiss von viel Arbeit angesichts des enormen Wachstums der Reben zu berichten: «Das Auslauben nahm viel Zeit in Anspruch, vor allem wegen der zahlreichen Geiztriebe. Wir haben rund um die Trauben alles entblättert und nur das Laubdach belassen. Damit waren wir um den 20. Juli herum fertig. Es ist aber durchaus möglich, dass mit dem anhaltenden Sonnenschein ein weiteres Auslauben nötig wird. Bei uns sind die Chardonnay-Trauben am weitesten. Allgemein ist der Gesundheitszustand der Reben zurzeit optimal und alle Voraussetzungen für einen Superjahrgang 2015 sind gegeben.»
Hans Bosch, Rebbau mit Eigenkelterung, Boltshausen

Getrübte Freude
W4_WL_005_2307_Box_1spUeli Kilchsperger, der am Worrenberg in Flaach vier Hektaren Rebfläche bewirtschaftet, würde eigentlich von einer traumhaften Situation sprechen: «Leider hat uns aber ein Pflanzenschutzmittel aus dem letzten Jahr einen grossen Strich durch die Rechnung gemacht. Grosse Schäden haben die Reben mit den Sorten Cabernet Dorsa, Chardonnay, Gewürztraminer und Zweigelt erlitten. Bei diesen Sorten werden wir falls irgendwie möglich etwas von Kollegen zukaufen müssen. Bei den anderen Sorten haben wir uns mit dem Auslauben Zeit gelassen, um die Trauben vor Sonnenbrand zu schützen. Grundsätzlich sind wir trotz allem zuversichtlich und hoffen auf einen ebenso goldenen Herbst wie Sommer.»
Ueli Kilchsperger, Weingut Kilchsperger, Flaach

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