Kaum ist die Arbeit im Keller beendet, sind die Winzer wieder in den Rebbergen beschäftigt. Je nach Lage und Rebfläche beginnen sie bereits gegen Ende  Dezember mit dem Rebenschnitt.

 Ein seltenes Bild für diesen Winter: schöner Wintertag im Klettgau.Bild H.W. Gysel

Ein seltenes Bild für diesen Winter: schöner Wintertag im Klettgau.Bild H.W. Gysel

Der Winter, der eigentlich gar keiner war – die Frosttage waren eher rar und der Schnee ein seltener Gast –, macht langsam dem Frühling Plaz. Die Natur hat gegenüber einem «normalen Jahr» bereits einen beträchtlichen Vorsprung von gegen einem Monat. Der milde Winter hat für viele Schädlinge bessere Startbedingungen geschaffen. Das gilt vor allem für die Schnecken und die Blattläuse sowie andere Gemüseschädlinge. Für die Kirsch-Essig-Fliege (Kef), die den Winzern in unserer Region vor allem vorletztes Jahr enorme Sorgen bereitet hat, trifft das weniger zu. Diese sind, wie uns Urs Müller, Leiter der Fachstelle Obstbau der Kantone Thurgau und Schaffhausen, verraten hat, relativ kälteresistent und profitierten daher nicht im gleichen Masse vom milden Winterwetter.
Für die Reben kein Nachteil
Für die Reben sollte sich, wie Markus Leumann von der Fachstelle Weinbau der Kantone Schaffhausen und Thurgau in seinem jüngsten Bulletin «Rebbau Aktuell» ausführte, der milde Winter «nicht wirklich negativ» auswirken. Zu dieser Jahreszeit sei so oder so Zeit der Vegetationsruhe und des Winterschnitts. Der Rebschnitt, der sich je nach Lage und Arbeitsanfall von gegen Ende Dezember bis zum kalendarischen Frühlingsbeginn hinzieht, ist wichtig. Mit ihm wird bereits die Menge und damit vor allem auch die Qualität des Traubengutes vorherbestimmt. Die Niederschläge in den Monaten Januar und Februar haben nach Leumann zwar das Wasserdefizit aus dem vergangenen Jahr noch nicht ganz kompensieren können. Für die Reben bestünde jedoch keine Wasserknappheit mehr. Generell seien die Startbedingungen für die Reben in diesem Jahr gut. Das Holz sei gut ausgereift. Dank der ausgedehnten Vegetationszeit hätten noch lange Reservestoffe eingelagert werden können.
Neue Rebkrankheiten drohen
Wie Leumann in seinem Bulletin weiter ausführte, machen sich jeoch neue Rebkrankheiten bemerkbar. Dazu gehört beispielsweise das Auftreten der meldepflichtigen Krankheit der Goldgelben Vergilbung. Diese Vergilbungskrankheit der Rebe werde durch eine kleine Zikade übertragen. Seit Längerem könne sowohl die Zikade als auch die Krankheit im Tessin nachgewiesen werden. Seit letztem Jahr seien sie nun erstmals auch in der Region des Genfersees aufgetreten. Bisher erfolgte aber noch kein Nachweis in der Deutschschweiz – weder der Zikade noch von befallenen Rebstöcken. Über die kantonalen Fachstellen werde in diesem Jahr ein schweizweites Monitoring durchgeführt, um die Verbreitung der Zikade überwachen zu können.

Bodenpflege im Frühjahr
Die Bodenpflege ist ein wichtiger Bereich der Traubenproduktion. Ihr Einfluss auf Ertrag, Erntezustand und Weinqualität ist unbestritten. Die Kunst besteht nun darin, im Verlauf des Jahres die Arbeiten so zu terminieren, dass die Reben bedarfsgerecht mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden und Stress vermieden wird. Die Bodenpflege im Frühjahr und Frühsommer muss zum Ziel haben, die Bodenwasservorräte zu schonen, den Trockenstress zu reduzieren und die Versorgung mit Stickstoff für die Vegetation sicherzustellen. Offene Gassen sollten darum nur flach bearbeitet werden.
Quelle: www.agroscope.ch

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