Wie funktioniert das eigentlich, wenn im Rahmen von Wett-bewerben aus 2’000 bis 4’000 Weinen die Besten erkoren werden?
Und inwieweit kann man dem Urteil der Verkoster vertrauen?

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Der Wein wird ohne Kenntnis seiner Herkunft von Fachleuten fair bewertetBild Archiv as

 

�Ganz ehrlich Einer, der regelmässig als Degustator an Wein-
prämierungen mitwirkt, ist der Winzer und Selbstkelterer Thomas Schmid, Schmidweine, Schlattingen/TG. Er hat mit uns diesen Blick hinter die Kulissen geworfen. Schmid, der sechs Hektaren Rebfläche bewirtschaftet und 16 verschiedene Weine keltert (ab Frühjahr neu auch einen Merlot Bianco), holt Jahr für Jahr Medaillen an den beiden für ihn wichtigen Wettbewerben Grand Prix du Vin Suisse und Mondial des Pinots.  Als Verkoster macht er auch gerne bei Spezialkategorien wie Schaum- oder Süssweine mit. Ob er seine eigenen Weine herausschmecken würde? Dafür möchte er die Hand nicht ins Feuer legen!

Ganz ehrlich
Einer, der regelmässig als Degustator an Wein-
prämierungen mitwirkt, ist der Winzer und Selbstkelterer Thomas Schmid, Schmidweine, Schlattingen/TG. Er hat mit uns diesen Blick hinter die Kulissen geworfen. Schmid, der sechs Hektaren Rebfläche bewirtschaftet und 16 verschiedene Weine keltert (ab Frühjahr neu auch einen Merlot Bianco), holt Jahr für Jahr Medaillen an den beiden für ihn wichtigen Wettbewerben Grand Prix du Vin Suisse und Mondial des Pinots.
Als Verkoster macht er auch gerne bei Spezialkategorien wie Schaum- oder Süssweine mit. Ob er seine eigenen Weine herausschmecken würde?
Dafür möchte er die Hand nicht ins Feuer legen!

Die drei wichtigsten Weinprämierungen in der Schweiz – die Internationale Weinprämierung Zürich der Expovina, der Grand Prix du Vin Suisse und die Mondial des Pinots der Vinea in Siders – bewerten zwar unterschiedliche Weine, sind aber grundsätzlich gleich organisiert und wenden die selben Kriterien an.
Sensorischer Kraftakt
Eine Bewertungsrunde dauert eine Woche. Die rund 150 Verkoster/innen, die (teilweise wechselnd) daran teilnehmen, sind entweder von Berufs wegen für diese Aufgabe qualifiziert (namhafte Weinproduzenten, Kellermeister, Weinhändler, Weinjournalisten usw.), kommen aus anderen Gebieten der Sensorik (wie Schokolade) oder sind anspruchsvolle und erfahrene Konsumenten. Gearbeitet wird in Fünfergruppen, die maximal 40 bis 45 Weine pro Tag degustieren und anhand eines Faktenblatts direkt am Laptop bewerten. Allen wird gleichzeitig ein Degustationsglas serviert, die Herkunft ist anonym. Was man weiss, ist die Kategorie (z.B. Chasselas oder Blauburgunder), bei den Spezialiäten lediglich, ob es sich um Weissen, Roten oder Rosé handelt. Getrunken wird dabei kein Tropfen – es sei denn neutralisierendes Wasser.
Auge, Nase, Gaumen

Mit dem Auge werden Klarheit, Farbton und Farbdichte beurteilt. Mit der Nase versucht man Reintönigkeit, Intensität und Komplexität herauszuschmecken. Gleichzeitig versieht man das Aroma mit einem Adjektiv wie blumig, geröstet, würzig. Am meisten «Noten» sind mit dem Gaumen zu vergeben: Die 10-Punkte-Liste reicht von der Länge des weichen Auftakts über Spritzigkeit, Säureempfindung, Gerbstoffqualität und Gaumenaroma bis zur aromatischen Nachhaltigkeit. In jeder Rubrik können Adjektive gewählt oder eigene eingesetzt werden. Zum Schluss ergänzen die Degustierenden das Blatt mit Angaben zum allgemeinen Eindruck und zur persönlichen Präferenz. Aus der Summe aller Punkte ergibt sich eine Gesamtpunktzahl. Der Gruppenchef kontrolliert die fünf Blätter und gibt allenfalls einem Juroren Bedenkzeit, falls seine Note extrem von den Noten der anderen abweicht. Übrigens: Ganz ohne Kontrolle geht es nicht. Es kommt durchaus vor, dass der gleiche Wein ein zweites Mal serviert wird, um zu prüfen, ob die Verkosterinnen und Verkoster zum gleichen Resultat gelangen. Mögliche Auswirkung für «Fehlbare»: Sie werden nicht mehr eingeladen.
Garantierte Qualität
Von den eingereichten Weinen werden rund fünf Prozent mit Gold und bis zu maximal 25 Prozent mit Silber ausgezeichnet. Und welche Garantie erhält der Konsument, wenn er einen prämierten Wein erwirbt? Dass er von ausgewiesenen Fachleuten ohne Kenntnis seiner Herkunft fair bewertet worden ist und eine hohe Qualität aufweist – also korrekt, sauber vinifiziert und geschmacklich einwandfrei ist. Ob er dem Konsumenten dann auch tatsächlich schmeckt, steht auf einem anderen Blatt.n

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